An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler

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DIE GUTEN BEZIEHUNGEN

Schon den ersten Job im Leben haben oft andere organisiert. Für Schüler und Studenten, die eine Tätigkeit oder einen Praktikumsplatz in den Ferien suchen, lassen die Verwandten, Freunde oder Kollegen der Eltern gern ihre Beziehungen spielen. In Ausbildung und im Berufsleben profitieren Sie von persönlichen Kontakten - zumal, wenn sie möglichst früh geknüpft und gepflegt worden sind. In Familien, in denen man generationsüberspannend denkt, nutzen Eltern bereits die Taufe als erste Gelegenheit und binden ihr Kind früh in ein Beziehungsnetz ein.

Ärgern Sie sich nicht, wenn Sie nach Generationen von Hinterhof-Stoffeln in Ihrer Familie der erste große Kommunikator sind. Sie erben zwar kein Adressbuch, aber dafür ist die Gesellschaft heute auch um einiges durchlässiger, internationaler und bunter geworden.

Nicht nur für Akademiker bietet es sich geradezu an, bereits während der Ausbildung aktiv in berufsbezogenen Verbänden oder Vereinigungen mitzuwirken. Mit Leserbriefen in der Fachpresse, Publikationen oder Forenbeiträgen betreiben Sie immer auch Marktplazierung für sich selbst. Besuchen Sie die Basare ihrer Branche: Bei Fachmessen, Veranstaltungen, Tagungen oder Kongressen können Sie wichtige Ansprechpartner ausfindig machen und auf sie zugehen. Visitenkarten verteilen sie dabei freigiebig, und wenn man vergisst, Ihnen eine zu geben: ganz einfach erfragen!

Immer dort, wo man in organisierter Form zusammenkommt, finden Menschen leichter zusammen. Ob in Ausbildung, Beruf, Verbands- oder Vereinsarbeit: die Chance, dass man beruflich interessanten und wichtigen Menschen begegnet, steigt allemal, solange man sich in einem definierten Rahmen bewegt. Karriere ist immer auch mit Event verbunden. Besuchen Sie also nicht nur eventuell die Wasserlöcher Ihrer Branche. Aber stehen Sie nicht bloß in der Ecke und knabbern Sie Häppchen.

Angenommen, Sie fanden nie Zeit für Beziehungsarbeit. Jetzt sind Sie solo auf Stellensuche und zugleich schüchtern und furchtsam. Mit Fremden über Ihre Lage zu reden ist Ihnen peinlich. Am liebsten würden Sie es verbergen, dass Sie sich zur Zeit massive Jobsorgen machen. Sie möchten ja keine Nervensäge sein. Selbst jetzt gerade darüber zu lesen ist Ihnen peinlich. Wenn nicht sofort das Thema gewechselt wird, werden Sie sich umgehend in Richtung T-Online.de davon machen. Tun Sie es nicht. Stehen Sie statt dessen auf, gehen Sie zum nächsten Spiegel und trainieren Sie dort einen zuversichtlichen Gesichtsausdruck. Kommen Sie dann ohne zu trödeln zurück und lesen Sie weiter. Gleich erfahren Sie Winklers Axiom der geglückten Beziehungsarbeit. Es lautetet:

Machen Sie andere nicht zu Partnern Ihres Unglücks, sondern zu Partnern Ihrer Suche.


So lange Sie nämlich nicht ausdauernd jammern und klagen, sondern ganz präzise erklären, was Sie brauchen, hält man gern inne und prüft, ob man Ihnen helfen kann. Öffentlich zu leiden ist nicht die gelungenste Präsentation einer Arbeitslosigkeit. Ohne Zweifel: Zusehen müssen, wenn die anderen arbeiten ist verdammt deprimierend. Doch sobald Sie außer Haus gehen und vor allem, sobald Sie Ihre guten Beziehungen nutzen, aktivieren Sie umgehend Ihr soziales Ich: Stehen Sie zu Ihrer Situation, aber stehen Sie dazu entspannt, freundlich und optimistisch.

Wägen Sie genau ab, an wen Sie sich um Rat, Hilfe oder eine Empfehlung wenden. Betreiben Sie unverdrossen Ihre eigene Sache und stellen Sie Schlüsselfragen:

Kennen Sie ein Unternehmen in der ... Branche?

Kennen Sie jemanden, der dort arbeitet?

Wer könnte mir sonst einen Hinweis geben?




 
Werden Sie nicht zum Beziehungspflegefall

In Arbeitsumgebungen mit Gruppenstrukturen knüpfen Menschen entweder permanent am Beziehungsnetz und stabilisieren damit das nette Betriebsklima oder sie sind Männer und machen Karriere. Freundschaft oder Karriere: Ob ein Arbeitsplatz Ihr Studio für Beziehungsarbeit sein soll oder aber das Spielfeld im Match um den Aufstieg, das bestimmen Sie. Gründen Sie keinen Wohlfühl-Club, wenn Sie tatsächlich eine Seilschaft brauchen. Verwechseln Sie nicht Gemeinschaftsgeist mit Nestpflege. Arbeitsumgebungen sind Zweckgemeinschaften auf Zeit. Haben Sie eine gute Zeit, auch mit den anderen. Lassen Sie sich aber nicht von den Beziehungspflegern Ihre Arbeitszeit stehlen.

(Revision 09.2002 © Gerhard Winkler, jova-nova.com)