An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler
 

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AUSWAHL DER ARGUMENTE

Welche Tätigkeiten fallen für eine Verwaltungskraft in einem Anwaltsbüro an? Wer keine berufsspezifische Ausbildung absolviert hat und sich dennoch bewerben möchte, sollte zumindest auf bestimmten Gebieten fit sein. Dazu zählen sicher Telefondienst und Besucherverkehr, Stenografie, Schriftverkehr, Organisation der Ablage, Terminverwaltung und anderes mehr.

Die Bewerberin des folgenden Anschreibens ist bislang als kaufmännische Angestellte tätig gewesen.



Sehr geehrter Herr,

A bezugnehmend auf Ihre Anzeige vom ... in der ... , bewerbe ich mich hiermit um diese Stelle.

B Durch meine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Firma XY, wurde ich mit allen anfallenden Arbeiten konfrontiert, das bestätigt Ihnen das Abschlußzeugnis der Firma XY.

C Ich suche eine Stellung, in der man Initiative von mir verlangt.

D Zur Zeit bin ich als kfm. Angestellte bei der Firma Z. in G. angestellt.

E Mein Aufgabengebiet umfasst den gesamten Frachtverkehr, Lohnabrechnung, Disposition, sowie sämtliche Schreibarbeiten im PC zu erfassen.

F Ich war noch nie in einer Anwaltskanzlei tätig, aber ich lerne gern etwas Neues kennen und werde mich sicher schnell einarbeiten.

G Der beigefügte Lebenslauf und die Zeugniskopien sagen Ihnen mehr über meinen bisherigen Werdegang.

H Ihre Nachricht erwarte ich mit Interesse.

Mit freundlichen Grüßen



Was teilt die Bewerberin in Ihrem Schreiben wirklich mit ? - Hier ist der Versuch einer Übersetzung: "Ich habe Ihre Anzeige gelesen und bewerbe mich" (A), "Ich bin in meiner Ausbildung allen anfallenden Arbeiten begegnet" (B), "Ich suche irgend etwas Interessantes" (C), "Zur Zeit übe ich eine andere Tätigkeit als die von Ihnen ausgeschriebene aus" (D), "Meine Aufgabengebiete sind ... sie decken sich nicht mit den Anforderungen" (E), "Die angebotene Tätigkeit ist für mich neu und fremd" (F), "Meine beigefügten Unterlagen sagen mehr als dieses Schreiben" (G), "Mal sehen, wie Sie reagieren" (H).

Zur Abwertung führen bereits die sprachlichen Mängel - die Syntaxfehler in (B) und (E), die Zeichensetzung in (A), (B) und (E), die ungeschickte Ausdrucksweise in (A), (B), (F) und (H). Typisch für viele Anschreiben sind neutrale und Passivkonstruktionen; wer sich passiv gibt, wird kaum als agiler und aktiver Mitarbeiter erscheinen. "Konfrontiert" wird man mit unangenehmen Dingen; "Initiative" sollte ein guter Bewerber wiederum von sich aus demonstrieren oder beweisen. Obacht! Jeder Arbeitgeber wünscht selbstverständlich nur dynamische und selbständig arbeitende Mitarbeiter. Aber manche Stellen verlangen, dass man unauffällig und gewissenhaft genau das erledigt, was einem aufgetragen wurde. Zeigen Sie die verlangten Eigenschaften und nicht, was Ihnen sonst an sich gefällt.

Wie könnte man, wenn man beruflich etwas Neues wagen will, überzeugender formulieren? An Argumenten bleiben da (C) + (F) und (B) + (E) - mit anderen Worten:



makelloser beruflicher Werdegang, Schlüsselqualifikationen im administrativen Bereich

Bereitschaft und Fähigkeit, sich in neue Aufgabenbereiche einzuarbeiten.



Die bisherigen Aufgaben in der kaufmännischen Sparte sind nicht gefragt, deshalb ohne großen Belang. Gefährlich ist es, wenn man zu verstehen gibt, dass man sich in seinem derzeitigen Job ziemlich langweilt; für unzufriedene Mitarbeiter heuchelt zwar ein jeder Verständnis, aber eigentlich sind sie oft eher suspekt, weil potentielle Unruhestifter.

Was braucht ein Rechtsanwalt wirklich? Mitarbeiter, die auch weisungsungebunden handeln (er befindet sich öfter außer Haus), die absolut zuverlässig, ehrlich und gewissenhaft sind, die schnell und effizient arbeiten und deren Arbeitstag mehr als acht Stunden umfassen darf.

Wie überzeugt man also einen Juristen? Die Antwort ist leicht:



1.
Man präsentiert sich als die verläßliche Kraft zur Unterstützung und Entlastung eines viel beanspruchten Freiberuflers und weist nach, was einen da zu befähigt.

2. Man verweist auf die Qualifikationen im Bereich Verwaltung.

3. Man verweist auf seine Lern- und Anpassungsbereitschaft.

4. Man macht ein Gesprächsangebot.





 
Leere Versprechungen

"Ich stehe Ihnen gern auch nachmittags zur Verfügung." - Die Bewerberin erklärt dann beim Vorstellungsgespräch, dass die Kinderbetreuung doch nicht geklappt hat. "Natürlich bin ich gern bereit, nach Regensburg umzuziehen." - Das hatte er noch nicht mit Frau und Kindern besprochen. "Für eine gemeinnützige Einrichtung zu arbeiten, ist mir ein echtes Herzensanliegen." - Vom Gehaltsvorschlag ist die Bewerberin mit Industrieerfahrung dann aber doch überrascht und beleidigt. Fazit: Was absehbar Ihre erfolgreiche Bewerbung verhindert, räumen Sie mit Absichtsbekundungen nicht aus dem Weg. Und Leute, die frohgemut so tun, als ob sich immer für alles eine Lösung finden wird, schaffen meist neue Probleme.