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PANNENHILFE 'VORSTELLUNGSGESPRÄCH'

Man hat sich nicht auf Sie eingestellt.

(Sie müssen lange warten, Ihr Gesprächspartner hat Ihre Unterlagen nicht gelesen, das Interview wird laufend von außen gestört ...) Bleiben Sie höflich. Seien Sie geduldig. Lassen Sie sich nicht ablenken. Unter diesen Umständen wollen Sie den Job dann doch nicht haben? Bewahren Sie unbedingt die Form; auch wenn Sie das Gespräch abbrechen.

Ihnen ist schlecht vor Aufregung.

Na und? Mit dem Adrenalinaustoß vor jedem Auftritt müssen andere (z.B. Sportler, Schauspieler und Nachrichtensprecher) schon berufshalber leben.

Keine Panik, falls Ihr Körper sichtbar reagiert; es ist keineswegs peinlich und Ihr Gesprächspartner wird es höflich übersehen. Konzentriert zuhören, den Blickkontakt aufrechterhalten, jemanden immer (!) ausreden lassen, bei den kniffligen Fragen erst bis drei zählen, bevor Sie antworten das alles leisten Sie auch in den ersten, manchmal schwierigen Minuten. Seien Sie unbesorgt; Ihre Anfangsnervosität legt sich im Eifer des Gesprächs sehr rasch.

Die Wellenlänge stimmt nicht.

Sie haben sich auf einen graumelierten Endvierziger im üblichen Business-Dress eingestellt und es empfängt Sie eine smarte Frau Anfang Dreissig. Eigentlich kein Problem - Sie sind ja fortschrittlich, aufgeklärt und emanzipiert. Doch das geht zu weit. Zunächst fürchten Sie noch, das Unternehmen nehme Ihre Bewerbung nicht richtig ernst. Nach wenigen Minuten stellen Sie jedoch fest, dass Ihr Gegenüber durchaus fachlich beschlagen ist.

Und in Sachen Verhandlungsgeschick ist sie Ihnen sogar um Längen voraus. Das Gesprächsklima wird zunehmend frostiger.

Je mehr Sie sich von festen Erwartungen, von Rollenklischees und von Handlungsmustern leiten lassen, desto mehr geraten Sie aus dem Tritt, wenn einmal etwas nicht stimmt. Ihren Gesprächspartner dürfen Sie ganz spontan abscheulich finden und gern von Herzen hassen. Aber erst, wenn Sie wieder zuhause sind und die Verhandlung in Ruhe analysieren. Beeinflussen Ihre Gefühle oft einen Gesprächsverlauf ? Lassen Sie Ihre Ablehnung spüren? Zeigen Sie sogar offen Ihre Aversionen? - Aber warum bestehen Sie überhaupt darauf, dass die Wellenlänge unbedingt stimmt? Vielleicht sind Sie selbst dermaßen unsicher, dass Sie auf positive Signale und Sympathiebekundungen von anderen so sehr angewiesen sind. Sie beweisen jedenfalls ungeschliffene Umgangsformen und einen grauenvollen Mangel an Höflichkeit, wenn Sie in formalen Kommunikationssituationen 'spontan aufrichtig' agieren oder die Gesprächssituation bzw. Personenkonstellation selbst zum Thema machen. Vermeiden Sie Ich-Aussagen über Ihre Befindlichkeit und Äußerungen wie:

- Ich finde, Ihr Verhalten mir gegenüber ist ...

- Das können Sie gar nicht beurteilen/verstehen ...

- Sie als Mann/als Frau/als ... können gar nicht ...

- Warum sind Sie so aggressiv/ablehnend/negativ ...

- Ich fühle mich jetzt ...

- Von Ihrer Frage fühle ich mich jetzt ...

In der Regel treten Ihnen gelernte Gesprächsführer und ausgebildete Kommunikatoren entgegen. Dieser Umstand soll Sie nicht einschüchtern, sondern beruhigen. Sie brauchen auch nicht zu beweisen, wie toll Sie selbst Gespräche steuern und dominieren können. Sie müssen keinesfalls als witziger Kopf auftreten. Manchmal ist es geistreich, Fragen mit Gegenfragen zu parieren. Aber nicht unbedingt als persönliche Masche in einem Vorstellungsgespräch. 

Ihr Interviewer schweigt Sie an.

Sie haben auf eine Frage geantwortet und es kommt keine Reaktion. Zählen Sie innerlich die Sekunden und warten Sie, wie lange Ihr Gesprächspartner das Schweigen aushält.

Sie fühlen sich underdressed/overdressed.

Sie sind in Kleiderfragen ganz unsicher und unerfahren oder Sie haben weder Geschmack noch Gespür. Ihre Mutter wollte Ihnen für Ihr Vorstellungsgespräch etwas Ordentliches im Kaufhaus besorgen und Ihr Partner meinte, heutzutage könne man alles anziehen. Jetzt sitzen Sie unpassend herum und schwitzen. Wären Sie bloß in ein richtiges Fachgeschäft gegangen, ganz allein, und hätten Sie sich dort beraten lassen. Denn guter Stil ist allemal käuflich. Das passende Kostüm, Jackett, Hemd und Hose, ausgezeichnete (!) Lederschuhe sind Investitionen für eine lange Zeit. Weiße Tennissocken vergraben Sie am besten im Wald, weitab von jedem Pfad. Wollen Sie in der Lebenswelt moderner Bürotürme, im Ökotop eines Großraumbüros überleben, müssen Sie sich Ihrer Spezies anpassen. Sie beweisen keine Weltläufigkeit, wenn Sie in den selben Klamotten, in denen Sie einkaufen gehen, mit der Clique herumhängen und im Freizeitpark Deutschland grooven, auch Ihren künftigen Arbeitgeber auf suchen. Strikt ausgeschlosssen ist natürlich auch 'festliche' Kleidung. 'Overdressed', d.h. viel zu gut angezogen, sind Sie dann niemals. 

Ihr Gesprächspartner weiß gar nicht so recht.

Er ist ja bemüht und eifrig, hat aber keine Ahnung, wie man ein Einstellungsgespräch führt. Manchmal kann man es sich vorher schon ausrechnen, dass man keinem Profi gegenübersitzen wird. Dann muß man sich noch sorgfältiger vorbereiten. Retten Sie die Situation! Stellen Sie präzise und detaillierte Fragen zur ausgeschriebenen Position. Bohren Sie nach. Vielleicht wurde mancher Aspekte der Stelle vom Arbeitgeber noch gar nicht durchdacht oder beachtet. Machen Sie selbst unaufgefordert die notwendigen Angaben zu Person, Werdegang und Berufserfahrung. Wenn das Gespräch allzusehr in Richtung Smalltalk abdriftet, steuern Sie zum Thema zurück oder finden Sie einen Abschluß. 

Sie haben sich ins Unglück geschwätzt.

Zu lange auf einem Thema herumgeritten? Begeistert Anekdoten erzählt? Monologe gehalten? Rechthaberisch herumargumentiert? Beim Flunkern erwischt worden? Über Kollegen und Vorgesetzte geschimpft? Allgemeine Themen wie Politik, Gewerkschaften, Ökologie und den neuen BMW 007.i breit getreten? Vielleicht gar den Gesprächspartner verbal attackiert? Und am Ende, zwischen Tür und Angel, auch noch gefragt, wie denn die Chancen stehen! "Das ist traurig, aber auch zu dumm." Trainieren Sie Gesprächsabläufe. Das nächste Mal wird dann sicher besser.

Sie werden zum Essen eingeladen.

Rauchen Sie nicht, trinken Sie keinen Alkohol, machen Sie gut gelaunt Konversation, überlegen Sie sich zweimal, was sie von sich preisgeben. Glauben Sie ja nicht, es wäre jetzt Spielpause.
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