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Bewerbung - Praxisbeispiele
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Von weitem wie die anderen. Aus der Nähe wie sonst keiner: Ihr Profil.

Sobald ein Personaler sich mehr als drei Sekunden für Sie interessiert, möchte er gleich ganz in die Tiefe gehen.

Machen Sie sich als Bewerber deshalb transparent. Für den tabellarischen Lebenslauf stellen Sie alle Stationen Ihres Werdegangs so zusammen, dass das Ganze sowohl Ihre Jobeignung als auch Ihre Vertrauenswürdigkeit belegt.

Der ideale Bewerber übernimmt diese Anstrengung, weil er dem Bewerbungsempfänger auf beste Weise zuarbeitet. Jeder Personaler möchte die Bewerberdaten schnell, mühelos und nach seiner eigenen Methode auswerten. Man möchte sich rasch ein Bild machen und das Profil zu denen der Mitbewerber in Bezug setzen.

Einen Lebenslauf aufbauen heißt für den Selbstvermarkter, ein Dilemma zu lösen: Jeder Personaler will so schnell wie möglich die Profile durchleuchten. Als Bewerber baut man sein Datenblatt deshalb so auf, damit es sich wie von selbst überfliegen lässt. Zugleich versucht man den Personaler, der seine Nase nur flüchtig in die Seiten steckt, möglichst lange auf diesen Seiten zu halten. Darum reichert man sein Datenblatt bis zum Rand mit substantiellen Fakten an.

Erklären, kommentieren, hinweisen, ausformulieren: Das unterlassen Sie bitte im Lebenslauf. Allein die Fakten sollen für Sie sprechen.

Ein Lebenslauf, der überzeugt, ist also das Ergebnis einer dreifachen Anstrengung: Genau überlegte Auswahl der Fakten, energisches Zurückstutzen auf das Wesentliche. Ein absichtsvoller Aufbau, der Ihre Argumentation wirkungsvoll unterstützt.

Ihr funktionaler Lebenslauf sollte immer ein bisschen so aussehen, wie alle anderen Lebensläufe. Personaler möchten auf keinen Fall vom Layout überrascht werden. Jede scheinbar originelle Variante empfinden Jobanbieter als ein Störmanöver, das sie vor allem in ihrer Arbeitsroutine unterbricht. Außerdem haben Arbeitgeber wirklich alles schon einmal gesehen. Sie lassen sich von keiner kreativen Verpackung blenden.

Kreativität heißt in der Praxis nichts anderes als: mit viel Gedöns. Jobanbieter wollen aber nicht unterhalten oder gar verführt werden. Sie zahlen teuer für jede personelle Fehlentscheidung.

Ihr Lebenslauf gleicht äußerlich den anderen und ist zugleich so wie kein zweiter. Zum einen verlaufen Menschenleben sowieso nicht identisch, zum anderen richten Sie als fokussierter Bewerber Ihren Werdegang ja auf ein genau definiertes Jobziel aus.

Und dabei gehen Sie so vor:

1. Nutzen Sie die Tabellenfunktion in Word und legen Sie eine zweispaltige Tabelle an. Sie werden jetzt und bei allen Aktualisierungen der Zukunft Datenblöcke verschieben. Da tun Sie sich leicht, wenn Sie Textblöcke von einer Tabellenzeile in die andere bewegen.

2. Richten Sie das Seitenverhältnis der beiden Tabellen nach dem Goldenen Schnitt aus. (Gesamte Breite zur größeren Breite wie größere Breite zur kleineren Breite.)

4. Setzen Sie in die linke Spalte ausschließlich die Rubrikentitel PERSÖNLICHE DATEN - ANGESTREBTE POSITION - BERUFLICHE PRAXIS - AUSBILDUNG - WEITERBILDUNG - KENNTNISSE & FÄHIGKEITEN - MITGLIEDSCHAFTEN oder ähnliches sowie die zeitlichen Angaben (monatsgenau nach der letzten allgemeinbildenden Schule).

5. Sparen Sie sich alle Feldbezeichnungen wie Name: - Straße: etc. - Ein guter Lebenslauf ist ein selbsttragendes Gerüst.

6. Starten Sie immer mit den vollständigen PERSÖNLICHEN ANGABEN. Das sind Ihre Adressdaten, Geburtsdatum plus Ort und gegebenenfalls Ihr Familienstand und Ihre Nationalität. Wiederholen Sie diese Daten nicht auf Kopf- oder Fußzeilen.

7. Markieren Sie Ihren Anspruch auf die von Ihnen ANGESTREBTE POSITION. Verankern Sie das am Ende des ersten Seitendrittels.

8. Setzen Sie dann die Rubrik, in der Ihr stärkstes Pro-Argument steckt. Das ist bei Jobwechslern die aktuelle Position. Auszubildende, Studierende, Absolventen wählen die aktuelle Ausbildung. Längersuchende Arbeitslose setzen Kenntnisse und Fähigkeiten zu oberst.

9. Strafen Sie all die Einflüsterer mit einem verächtlichen Lächeln, die Ihnen weismachen wollen, der natürliche Gang der Dinge im tabellarischen Lebenslauf sei der chronologische von der Grundschule bis zum aktuellen Job: Der Lebenslauf ist eine kunstvoll auf maximale Wirkung hin angelegte Präsentation. Immer da, wo eine Zeitleiste aufgelistet wird, also bei BERUFLICHE PRAXIS - AUSBILDUNG - WEITERBILDUNG, reihen Sie umgekehrt chronologisch. Und den Grundschuleintrag streichen Sie bitte.

10. Setzen Sie Ihre beruflichen Daten so: JOBTITEL, NAME + RECHTSFORM DES ARBEITGEBERS, ORT. Reichern Sie diese Kerndaten mit einer Liste der Pflichten, Zuständigkeiten, Projekte, Erfolge an.

11. Geben Sie in allen akademischen Ausbildungen und in den beruflichen Bildungsmaßnahmen Schwerpunkte an. Notieren Sie die Stationen so: TITEL DER AUSBILDUNG, NAME + RECHTSFORM DER INSTITUTION, ORT.

12. Verfahren Sie ebenso mit Ihren Weiterbildungen, aber gehen Sie nicht weiter als fünf Jahre zurück. Haben Sie in letzter Zeit überhaupt keine Bildungsaktivitäten gezeigt, dann haben Sie ein Problem.

13. Notieren Sie stets Sprach- und EDV-Kenntnisse. Unterlassen Sie es, persönliche Stärken aufzulisten. Wer Sie sind, wird aus den belegbaren Fakten schon sichtbar. Im Jobinterview stehen Sie mit Ihrer Person dahinter. In Lebenslauf und Anschreiben sind Ego-Statements nur Worte in den Wind.

14. Notieren Sie unbedingt auch Mitgliedschaften in Berufs- und Standesorganisationen. Auch ehrenamtliches Engagement, aktiver Vereinseinsatz sprechen für Sie. Ersparen Sie sich Hobbys und Interessen. Damit punkten Sie später, im Jobinterview.

15. Eliminieren Sie alle Schmuckelemente wie Längs- oder Querlinien. Verwenden Sie eine andere Schrift als Times. Schriftgröße 10 - 10,5 oder maximal 11 Punkt. Vermeiden Sie Aufzählungen in Listenform mit Kugel- oder anderen Symbolen als Vorsatz. Ihr Text ist nackte Information und zwischen der Information und dem kursorischen Leser darf nichts kommen.

16. In Ihrem Lebenslauf stehen außer Zeitangaben nur Hauptwörter und ein paar gelegentliche Präpositionen wie „von“ oder „für“. Im Grunde läuft Ihre Gestaltungsarbeit auf das Streichen unnötiger Wörter und das Weglassen von Aufputz-Elementen heraus.

Apropos Streichen: Sparen Sie sich das Deckblatt. Fügen Sie Ihr Porträt in 6 x 4 in die rechte obere Ecke der ersten Seite Ihres Lebenslaufs ein.

Einige dieser Handlungsanweisungen widersprechen dem, was Sie anderswo lesen oder hören oder was Sie selbst praktizieren. Hüten Sie sich vor der Annahme, dass man alles immer so oder so machen kann. Die meisten Bewerber kommen nicht wegen, sondern trotz Ihrer Unterlagen bis zum Jobinterview. Sie selbst maximieren Ihre Chancen, wenn Sie sich einfach und unaufwendig, direkt und zielgenau, faktisch und ohne große Worte präsentieren. Bauen Sie keine Präsentation nach Vorschrift. Ihr Lebenslauf ist entweder strikt funktional oder suboptimal.


Ostrach,
12.06.2005 - Gerhard Winkler
Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com

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