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| Bewerbung - Praxisbeispiele | ![]() |
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"Wussten Sie, dass sich die Wirkung eines Fotos aus 7 Dimensionen mit mehr als 22 Aspekten zusammensetzt?" - Bis jetzt wusste das nur Bewerberberater Jan Dietrich. Wir danken für die kostbare Information aus das-geheimwissen-der-personalberater.de und halten sie für einen weiteren Meilenstein seit Erfindung der Röntgenbrille, mit der man durch Bewerberkleidung schauen kann.
![]() Thema Bewerbungsfoto: Findet der Wissensdurstige im Web dazu gesicherte und verwendbare Infos? Anders gefragt: Gibt es zu diesem wichtigen Karriere-Thema auch Seiten, die nicht anmuten, als kämen sie direkt aus einem Seminar für therapeutisches Schreiben? Sich online zu informieren heißt, Krauses und Trübseliges zu sortieren. Im Leben müsste es so viele Job-Gelegenheiten haben wie hanebüchene Ratschläge im Web! Dann käme man vor lauter Arbeit nicht mehr zur Lektüre. Aber wir wollen ja nachlesen, was das Web denkt, wenn man nach Bewerberfoto fragt. Foto ohne Bedeutung? "Die Bedeutung des Bewerberfotos wird ... oft stark übertrieben dargestellt", schreibt Industrie-Job.de. Dagegen Technikjobs.de: "Das Bewerbungsfoto hat einen entscheidendem Einfluß auf Ihren Bewerbungserfolg." - Na, hoffentlich bleibt dies der einzige schroffe Gegensatz zwischen Industrie und Technik. ![]() Fakt ist: Fällt der Blick auf eine Seite mit Text plus Bild, nimmt jeder zuerst das Foto wahr. Es widerspricht geradezu unseren automatisierten Wahrnehmungsweisen, sich einem Lebenslauf zu widmen, ohne zunächst das Bewerberantlitz zu betrachten. Fakt zwei: Bewerberdaten prägt sich ein Personaler weitaus leichter ein, wenn die Textgestalt mit einem Porträt verknüpft ist. Fakt drei: Wenn alle anderen Kandidaten sich mit Lichtbild bewerben, tritt dagegen der bestens qualifizierte, aber sonst unsichtbare Mitbewerber in den Hintergrund. Das mentale Bild vom Bewerber allein aus Anschreiben und Profildaten zu konstruieren ist immer ein anstrengender Akt. An den freundlichen Menschen aus Beckum (den mit dem etwas spitzbübischen Lächeln) erinnert man sich dagegen ohne Mühe. Bewerber auf der Titelseite "Ihr Foto sollten Sie grundsätzlich auf einem gesonderten Deckblatt anbringen", rät Web-Autor K. (Und an anderer Stelle: "Sie sind Verkäufer, alles im Leben hat mit Verkauf zu tun. Wenn Sie sich bewerben, sind Sie dabei sich zu verkaufen.") Je nun, K. Einem Verkäufer erscheint die Welt bisweilen stark heruntergesetzt. ![]() Auch Technikerjobs propagiert form without function: "Die elegante Möglichkeit, das Bewerbungsfoto zu positionieren ist, das Foto auf ein separates, weißes Blatt zu kleben." Genau so streng befindet make-it-better.de: "Das Foto sollte auf ein Deckblatt aufgeklebt werden." Auf amania.de schreibt man für "die Community zum Thema Arbeitslosigkeit" und erklärt, zur Bewerbungsmappe "gehört allem voran ein Deckblatt mit Titel (hier darf mit der Schriftgröße 22 ruhig geprotzt werden)". - Klar,wer so mit Rat protzt und prollt wie Amania, der wird seine Nutzergemeinde noch lange vor dem Aldi-TFT fesseln. Liebe Kollegen von der Beratergilde, ein Deckblatt hat null Funktion. Die Idee, das Lichtbild aus dem tabellarischen Lebenslauf herauszunehmen und es separat als Frontispiz aufzumachen, womöglich zusammen mit doppelt gemoppelten Kommunikationsdaten und einem treuherzigen Titel ("Bewerbungsunterlagen von Margarethe Mumpitz-Messerscharf"), diese Idee war noch nie irgendwie clever. ![]() Auf Deckblättern oder direkt auf der vorderen Umschlagseite der Bewerbungsmape listen ungewöhnlich umständliche Bewerber gewöhnlich auf: die Bewerbungsabsicht, die Adressdaten, die sehr persönlichen Daten, eine Auflistung der mitgeschickten Kopien. Und mittenmang klebt auch noch das Porträt. All dies ist nicht sinnvoll. Es ist auch kein Alleinstellungsmerkmal. Ganz viele Bewerber lassen Bäume für ihr Deckblatt sterben. Die privaten Daten auf ein Cover zu setzen ist sogar ziemlich peinlich. Und im Falle der Auflistung sämtlicher Belege ("Nachweis Einführung in die mechanische Schreibmaschine") würde ich dies nur jemandem empfehlen, der eher subaltern als souverän agiert und dessen berufliche Welt ganz aus Ordnen und Klassifizieren besteht. Einem Buchhalter oder Sachbearbeiter im Ordnungsamt. Zeigen Sie als Jobsuchender, dass Ihnen Schnickschnack und unnötiger Aufwand am Hutrand vorbei geht. Geben Sie schlanke Mappen ohne Deckblatt ab. Das Bewerberfoto hat in der rechten oberen Ecke des tabellarischen Lebenslaufs stets seinen richtigen Platz. Format "Es muss ... nicht gleich ein "Starschnitt" mit mehreren Quadratmetern Fläche sein", gibt uns Gitte Härter launig zu verstehen. Jobpilot empfiehlt "50 mm in der Breite und 62 mm in der Höhe, maximal 60 mm mal 90 mm". Industrie-jobs geht mit der Schiebelehre dran: "Ohne weiteres akzeptiert werden in aller Regel Formate von 8 x 6 cm bis 5 x 4 cm". Dazu eine simple Überlegung: Fotostudios liefern üblicherweise bewerbertypische Formate um 6 x 4. Das setzt einen Standard. Größere Fotos verletzen diese Regel. Sollten Aussehen und Auftreten des Kandidaten ein entscheidendes Kriterium sein, so wird die größere Bildfläche sicher als Erleichterung des Analyse- und Bewertungsvorgangs aufgefasst. Sofern also ein lautes Ego dem Geschäft des Stellenanbieters nützt (und nur dann) bläst man das Format auf. Großes Foto? Vertriebler: ja. Front-Desk-Damen: jein. So gut wie alle Bewerber: striktes Nein. Obacht: Großbilder werden von Entscheidern über Vierzig als eine ungute Form von Ego-Aufblaserei gewertet. (Die RTL-Generation findet aber mehr und mehr, dass nur ein doppelt breites Bohl-Format Ihre Grandiosität angemessen spiegelt.) Gut betucht Gitte Härter schlägt vor, sich fürs Foto entsprechend dem Image des Unternehmens zu kleiden: "Wenn Sie wissen, wie eine Firma nach außen auftritt, wissen Sie auch, welche Art von Mitarbeitern gesucht wird." Die Corporate Identity und den Marktauftritt einer Organisation zu verstehen, ist immer eine gute Idee. Auf einen unternehmenstypischen Dresscode setzen Sie mal besser nicht, ohne schon eine Woche dort gearbeitet zu haben. Was erfährt man noch im Web? Das Übliche. Die Freundin rät ab von "Girlie Dress und flippigen Szene-Outfits". Scharf gedacht. Redmark.de: "Männer sollten auf jeden Fall eine Krawatte und ein Jackett tragen. Auch ein gebügeltes Hemd ist kein Luxus. Frauen können die Sache etwas legerer angehen." (Als berufstätige Frau würde ich Redmark dafür leger in den Schritt fassen und zukneifen.) Kienbaum.de fasst die Problematik so zusammen: "Die Wahl Ihrer Kleidung ist abhängig von der Position, für die Sie sich bewerben". Ich rate Bewerbern zur Mimikry: "Um unter die Architekten aufgenommen zu werden, müssen Sie aussehen wie ein Architekt." Jede Kaste, jeder Berufsstand hat sein besonderes Styling, seine eigenen Accessoires, sein unverwechselbares Auftreten. |
Neuankömmlinge wachsen da mit der Zeit sowieso hinein. Andererseits existiert eine Form an gehobener, neutraler Kleidung, in der man, einmal abgesehen von sehr formellen Anlässen (Opernball) oder sehr informellen Events (Grillen bei Uli-Ludwig.de), praktisch überall eine gute Figur macht.
Warum sich also lange den Kopf zerbrechen? Schluss mit dem Problematisieren: Beweisen Sie per Bewerberporträt und im Interview, dass Sie jederzeit eine gute Figur machen: Jackett plus Hemd (möglichst mit Krawatte) ist für den fünfzehnjährigen künftigen Einzelhandelskaufmann ebenso angemessen wie für den fünfzigjährigen CEO. Frauen können die Sache etwas legerer angehen, solange Sie ein Jackett (oder einen Blazer) über einer Bluse (oder einem Kostüm oder einem Shirt) tragen. An anderer Stelle habe ich schon darauf hingewiesen, dass der zwingende neutrale Dress-Code in US-Büros mit dazu beigetragen hat, den Frauenanteil an Führungskräften zu vergrößern. Entweder süß und sexy oder leiten und führen. ![]() Die sieben Dimensionen des Bewerber-Outfits: 1. Sie rüsten sich für förmliche Situationen mit formaler Kleidung. Auf unterschiedliche Rahmenbedingungen reagieren Sie damit angemessen. Ihnen ist nicht nur bewusst, dass es Anlässe gibt, in denen die soziale oder berufliche Funktion Ihr Auftreten bestimmt. Sie ordnen sichtbar Ihre Individualität unter. 2. Sie haben bereits Erfahrungen in formalen Situationen gesammelt, bewegen sich darin angemessen und ungezwungen. Sie sind in der Lage, die Bandbreite in den Kleidungsordnungen zu Ihrem Vorteil auszunutzen. Innerhalb des Dress Code haben Sie zu Ihrem Stil gefunden. 3. Sie repräsentieren: Ihre Organisation und Ihren eigenen sozialen Erfolg. Selbst Ihre Freizeitkleidung ist deshalb gehoben. Sie bewegen sich am Samstag zwar out of Office, aber doch in guter Gesellschaft. Sorry, verzählt, mehr Dimensionen gibt's nicht. Say: Chess "Nur wenn Sie sich auch wohlfühlen, kommen Sie natürlich rüber." Doch Natürlichkeit, verehrter Kollege von bewerbungsmappen.de, ist bloß eine Fiktion. (Nebenbei bemerkt sind edle Bewerbungsmappen in Nuss keine gute Umsetzung des Bewerbermottos Keep it simple.) Eine Sitzung beim besten Fotografen der Stadt strengt an und dauert und Sie werden sich dabei keineswegs die ganze Zeit über wohlfühlen. Investieren Sie ohne zu murren Ihr gutes Geld in gelungene Porträtstudien. Machen Sie dem Meister schon bei der Terminierung deutlich, dass er sich für Sie alle nötige Zeit zu nehmen hat. Sofern Sie die Kontrolle über Ihre Gesichtszüge noch nicht ganz abggeben haben, achten Sie während des Shooting darauf, Blickkontakt mit dem imaginären Gegenüber zu halten, den Mund leicht zu öffnen und rundum wohlwollendes Interesse auszustrahlen. Denken Sie sich, Sie seien ein führendes Mitglied der königlichen Familie und betreten gerade ein Waisenhaus. Ich meine das ernst. Erzählen Sie meinen Vorschlag ruhig dem Fotografen, dann lächelt auch er. Bestehen Sie auf Papierabzüge (6 x 4,5) plus digitale Versionen auf CD-ROM. ![]() "Natürlich, jetzt möchten Sie einwenden, was sagt schon ein Foto aus. Muß ich unbedingt lächeln, muß ich freundlich und sympathisch wirken." - Liebe Kollegen von Kurswahl.de, es ist peinlich, wenn jemand, der ahnungslos und naiv ist, so tut, als wäre er naiv und ahnungslos. "Bild zwei fällt auf und wirkt auf Anhieb sympatisch." Kurswahl.de: Schon, dass Ihr in schlechtem Deutsch der Beispielbewerberin auf eurer Seite geraten habt, sich zum Teilzeit-Vamp zu stilisieren, macht euch auf Anhieb unsympathisch. Hört auf, euch den Kopf darüber zu zerbrechen, wie man Individualität und Persönlichkeit transportiert. Personaler sind bloß scharf auf ein Maximum an Eignung und ein klares Profil. Wer sich klar, knapp, ehrlich und angemessen präsentiert, braucht sich um seine Persönlichkeit nicht zu sorgen Beschränkte Haftung "Die Kosten für eine ordentliche Bewerbung sind sehr hoch", klagt der Controller K. Weitere Quelle des Ärgers: Bewerbungsmappen und Bewerbungsfotos werden hierzulande bloß ausgeliehen. Kommen sie angegriffen zurück, oder hat sich das Foto unterwegs selbständig gemacht, nervt das manchen Bewerber mehr als die Absage selbst. Das teure Foto einfach mit einer Büroklammer zu fixieren, gilt als Sünde: Beschädigungsgefahr!. Da es bombensicher halten soll, zugleich aber schon für die nächste Bewerbung eingeplant ist, bringt man es mit "Fixogummkleber", "Pritt" oder "am besten mit Fotoecken" vorsichtig an. Auf zum fröhlichen Basteln! Der Gedanke, dass berufliches Weiterkommen Investitionen verlangt, ist vielen Bewerbern fremd. Eigenes Geld in Jobfindung und Weiterbildung zu stecken? Sich dazu noch ein eigenes Budget einrichten? Seit wann ist die berufliche Existenz denn bei uns Sache des Einzelnen und nicht die des Arbeitsamts oder des Arbeitgebers oder sonst einer Kostenstelle? ![]() Klare Sache für Papierbewerber: Kaufen Sie 20 Foto-Abzüge. Klären Sie ab, dass weitere Prints ohne tagelange Wartefrist erhältlich sind. Pritten Sie Ihr Halbporträt auf den Lebenslauf und kalkulieren Sie von vornherein eine hohe Verlustrate ein, für Ihre Fotos und vor allem für die Bewerbungsmappen. Praxistipp für Papierbewerber mit fototauglichem Tintenstrahler: Verwenden Sie die Bildversion mit dem größten Dateiumfang.(Je mehr Informationen, desto größer die Datei, desto detailgetreuer das Foto.) Ziehen Sie in Ihrem Lebenslauf eine Textbox auf und laden Sie die Bilddatei. Montieren Sie das Bild rechts neben Ihre PERSÖNLICHEN DATEN. Drucken Sie den Lebenslauf auf fototaugliches A4-Papier aus. Vergleichen Sie den Ausdruck mit einem herkömmlichen Fotoabzug. In der Regel müssen Sie die Bilddatei nachbearbeiten: aufhellen, schärfen, farblich korrigieren. Setzen Sie um das Bild keinen Rahmen. Glauben Sie nicht den Webozentrikern und ihrem Talk von "ich zeige mich so, wie ich bin". Verwenden Sie niemals eine Aufnahme, die Sie in privatem Ambiente zeigt. (Erinnern Sie sich, was der Verkäufer von Mey & Edlich sagte? Erwachsenensein besteht auch darin, formale Situationen sichtbar angemessen zu bewältigen. Klares Vorgehen für Online-Bewerber: Die printtaugliche Bildversion wäre mehrere Megabyte groß. Die umfangmäßig viel kleinere Bildschirm-Fassung wirkt im Ausdruck nicht so gut. Personaler drucken aber Online-Bewerbungen gern aus. Deshalb bereiten Sie eine Bilddatei mit einer Dateigröße von 60 150 Kilobyte vor. Ziehen Sie in Ihrem Lebenslauf eine Textbox auf und montieren Sie die Bilddatei ein. Drucken Sie diesen Lebenslauf immer zur Kontrolle aus. Versenden Sie Ihr Mail-Anschreiben und hängen Sie Ihren Word-kompatiblen, mit Bewerberbild versehenen Lebenslauf an. Die kluge FAZ empfiehlt den Versand von PDF-Dokumenten. Wenn Ihnen auf Anhieb klar ist, wie Sie Dateien in dieses Format verwandeln, tun Sie das. Ansonsten beunruhigen Sie sich nicht und bleiben Sie bei Word. Sollten Sie Personalerdaten in Ihrem Adressbuch gespeichert haben, achten Sie penibel darauf, dass nicht nachts um drei ein virenbefallenes Programm erwacht und infizierte Dateipartikel aus Ihrer Festplatte ausschickt. Montags die Bewerbung gemailt und mittwochs eine viröse Mail nachgereicht ... kein schönes Szenario für Online-Bewerber. Ostrach, 07. Januar 2003 © Gerhard Winkler, jova-nova.com «Dieses Buch wird Karrieren machen.» ![]() Seitenanfang |
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