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| Bewerbung - Praxisbeispiele | ![]() ![]() ![]() ![]() |
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Flachfeilen im Arbeitsamt |
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| Meine ersten Eindrücke in Deutschland: Das Autobahnfahren macht Spass, die Bewerbungstrainer sind prima und das Arbeitsamt verteilt tolle Broschüren für Jugendliche. Drei Lügen in einem Satz. Während der Fahrt zu meinem Seminar für Jugendberater wünschte ich mir alle A5-Herrenfahrer weit, weit weg. Am besten auf den Highway 580, zur Verkehrserziehung. Im Kurs wünschte ich dann, die versammelten Bewerbungstrainer wären nicht alle so grauenvoll musterhaft. Und dem Arbeitsamt, genauer: seinem Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, dem kann ich nur das Beste wünschen. Denn das Nicht-So-Gute, das besorgen die schon selbst mit Fleiß. Als positives Feedback meines Wochenendseminars (das negative werde ich Ihnen hier gerade auf die Nase binden) vermerkte ein Teilnehmer: "Du lebst in dem Thema und bist ein glaubwürdiger Referent". Eine feine Umschreibung dafür, dass ich zeitweilig tobte. Mein "subtiler Humor" wird zwar auch sonst gerühmt von Lesern, die fein unter die Zeilen gucken. Aber soweit ich mich erinnere, war ich an diesem Wochenende nicht subtil, sondern ziemlich sarkastisch. Vielleicht wegen des jähen Übergangs von der kalifornischen Spasskultur zur deutschen Ernsthaftigkeit. Über den Standardeingangsflop Hiermit bewerbe ich mich um ... als ... wollte ich zum Beispiel gar kein witziges Wort mehr verlieren, abgelutscht und häßlich, wie der dumme Satz halt schon ist. Doch da meldete sich ein Jungkarriereberater. Die konventionelleren unter den Briefempfängenr würden eine feierliche Erklärung der Bewerbungsabsicht geradezu erwarten. Und hiermit, das wär ihm ein ganz lieber Ausdruck geworden. Ich schaute listig. Da würde so gar kein Spannungsmoment bleiben, wenn der Verfasser einer geheimnisvollen Duraclip-Mappe, adressiert an eine Personalabteilung, gleich in der ersten Zeile seine Absichten aufdeckt. Dieser Feinsinn kam aber nicht so gut an. Ich versuchte es anders.Hiermit sei feierlich und gestisch und selbstbezüglich und käme heutzutage nur noch auf der Bühne vor. Beispiel: "Der Ehemann (zeigend): Hiermit werde ich dich beglücken." Das fand man auch nicht komisch. Da platzte mir der Kragen. Personaler erwarten keine Deklamationen, sondern Argumente. Das ganze Drumherumgesülze kostet Lesezeit, also Arbeitszeit. Aufgabe des Bewerbers sei es aber, den Empfänger bei seinem Job, der Personalauswahl bestens zu unterstützen. Und so weiter, bis ich anfing, mich zu wiederholen. Am Ende meiner Tirade hatte ich meine Theorie vom Anschreiben als Hinterhalt ausgewalzt. Wirf die dicksten Brocken zuerst! Klotz dein stärkstes Argument gleich in die Anfangszeile! Vertrau nicht darauf, dass ein Anschreiben sorgfältig studiert wird! Überall nachdenkliche Gesichter. Der Jugendhelfer meldete sich. "Und wo genau erklärt man dann, dass man sich bewerben will?. Seit diesem Moment weiss ich, wie Overheadprojektorfolie schmeckt. Aber das Schlimmste sollte noch kommen. "Gerhard, unsere Kids brauchen dringend Muster. Sonst wissen die gar nicht, was sie schreiben sollen." Mir blieb die Luft weg. "Ich denke, i h r bringt denen das bei?" "Klar doch, aber dazu brauchen w i r Muster. So wie das hier." Und schon segelte mir ein roter Flyer vom Arbeitsamt entgegen, eine Kurzinfo für Jugendliche, erste Sahne, geile Typo, karg an Text. "Ach du großer G.", sagte ich. "Jetzt tu bloß nicht so, als fändest du dieses Anschreiben schlecht. Das kommt schließlich vom Arbeitsamt." "Mein G., ist das mies. Wer hat das bloß verbrochen?" Ich überflog das Blatt. Herausgeber: Bundesanstalt für Arbeit, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Redaktion: Silvia Hofmann, Gerhard Bayer-Agentur für Redaktion und Konzeption, Glashütten Und ich weinte ein wenig und sprach: "Meine Lieben, mit grossem Interesse habe ich ... - das leitet nur verhaltenes Gähnen ein. Interesse ist kein Qualifizierungsmerkmal. ...Ihre Anzeige im "Oberstädter Tagesspiegel gelesen ... - Erscheinungsort und -tag sollten nach oben in den Betreff. Dafür gibts gute Gründe. ... habe ich ... gelesen und bewerbe mich um einen Ausbildungsplatz ... - ein Satzbau dieser Sorte macht Deutschlehrern Leberschmerzen. Aber ziemlich. Zurzeit besuche ich die .... Schule, die ich ... verlassen werde. - Das soll und darf der Empfänger wissen. Aber erst später im Brief. Im April ... machte ich ein Betriebspraktikum bei ... Dort erfuhr ich, wie Industriekaufleute zum Beispiel Kosten kalkulieren und Aufträge abrechnen. - Etwas erfahren heisst nicht, etwas tun. Das man sich etwas ausgesetzt hat, ist noch kein Beleg dafür, dass man es kann oder könnte. Dadurch ist mein Interesse für diesen Beruf noch größer geworden. - Oh, wer soll das glauben? Vor dem Praktikum hatte ich mich schon bei ... und bei ... über die Ausbildung zur ... informiert. - Eisklar, man soll wissen, worauf man sich einlässt. Aber warum wirklich jeder junge Mensch so tut, als sei's entscheidend, dass man die Berufsberatung aufgesucht hat und sich durchs Berufsinformationszentrum hat schleusen lassen? Weil staatlich bezahlte Pädagogen ihm eintrichtern, dass sich für eine Ausbildung legitimiert, wer auf diese Informationsritulae verweist. Wie froh wär ein Personaler, wenn statt der formalen Pflichtübung eine Kandidatin ernsthaft begründen würde, warum sie Industriekauffrau lernen will. Kurzum: Berufsberatung, Berufsinformationszentrum nutzen, aber nicht als Scheinargument anführen! Derzeit besuche ich an der Schule einen Maschinenschreibkurs. - Endlich ein starkes Argument! Maschinenschreiben nützt fürs Leben. Hätt ich das nur selber irgendwann gelernt. Dann könnte ich meinen Einstieg jetzt flink tippen: Sehr geehrte Frau Hofman, ich möchte eine gute Industriekauffrau werden. Um dies zu erreichen, - habe ich mich schon in Word und Excel unter MacOs 9 eingearbeitet - belege ich derzeit einen Maschinenschreibkurs an meiner Schule - habe ich bereits ein Betriebspraktikum bei ... absolviert. Aufgaben wie Kosten kalkulieren und Aufträge abrechnen habe ich dort schon gemeistert. Meine Fachlehrer bescheinigen mir einen guten Sinn für Zahlen und Zusammenhänge. Und so weiter. Man muss nicht Musterbriefe abkäsen. (Schon gar nicht die von Frau Hofman.) Man muss nicht originell sein. Es reicht, wenn man seine Antwort auf die paar Fragen in Form bringt:
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![]() Kommentar Der Mensch definiert sich nicht per Papier Wenn du einmal 70 Bewerbungen "hiermit bewerbe ich mich als Industriekaufmann/frau" in der Hand gehalten hast, die aus unerfindlichen Gründen fast alle gleich aussehen, dann weißt du: Schöne Grüße vom Berufsberatungszentrum des Arbeitsamtes. Wir haben dieses Problem anders gelöst. Wir laden alle zu einem Test ein.
Wer alles übersteht, dem steht noch ein interview bevor (wobei eigentlich die Einstellung schon vorher klar ist). |
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| Job-Interview: Übersicht Bewerbungshelfer: Übersicht |
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