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22 x Selbstmarketing
Bewerben nach Vorschrift. Wenn das nur möglich wäre. Dann könnte man als Jobsucher ganz formal in den Dienst nach Vorschrift gleiten.
Zwar gibt es noch keine gesetzlichen Anweisungen für das Bewerben, aber ersatzweise produzieren die halbamtlichen Berater ja schon den Europäischer Musterhaften Lebenslauf.
Statt Vorschriften: 22 marktnahe Regeln. Entwickelt für meine Trainings zum Thema Selbstmarketing.

22 x Selbstmarketing für Jobsucher

Dieses Arbeitsblatt macht Sie mit dem Vorgehen eines jobsuchenden Selbstvermarkters vertraut. Vorab ein Wort zur Macht der Marke.

«Was zeichnet eine Marke aus?» fragt aviva-berlin.de und gibt gleich die Antwort. Sie lautet: «Eine Marke dient zur Unterscheidung, Identifikation und Differenzierung.» - Haben Sie's? Sind halt Post-Pisa-Kids. Und weiter: «Beispiele von Personen gibt es viele, die sich hervorragend vermarkten. Da wären Verona Feldbusch, Claudia Schiffer, Bill Gates. Sie sind unverwechselbar. Ihr Wert hängt von dem ab, was Sie sind, wofür Sie sich einsetzen, was Sie einzigartig macht und welche Leistungen Sie vorweisen können. Das ist dann Ihr ganz persönliches Markenpotential.»

Die Marke Aviva? Eher Schnatter als Schiffer. Und die Aviva-Mädels? Verona Gates im Bärenmarke-T-Shirt. Süß, wie sie ihr ganz persönliches Markenpotential erproben. Ob von von vorn oder von hinten: Aviva kommt gleich gut an. Bitte unterscheiden Sie aber: Marken sind zwar Namen. Aber es sind eben nicht die Namen, die sich Leute schaffen. Die Industrie bildet mit Vorliebe Marken aus diesen Namen. Die Namensträger haben jedoch mit ihrem Markennamen weniger zu tun als Aviva mit Frühling. Was zwischen einer Person, ihrem Namen, ihrem daraus abgeleiteten, gleichlautenden Markennamen und der konsumierenden Öffentlichkeit abläuft, ist, um es mit Louis Vuitton zu sagen, degoutant. Es ist die Hölle gemäß der Offenbarung von RTL. Medial korrumpierte Menschen versuchen den Aufstieg von der Discounter-Existenz zur Marke. Der Markt mag solche Zombies. Eine Weile lässt er sie tanzen. Dann spuckt er sie aus und sie landen wieder im selben Fitnesstudio, aus dem sie aufgebrochen waren. «Das ist alles so maßlos traurig.» (Carla Müller)

Ich weiß nicht, was der Unique Sales Point von Aviva ist. Mein Unique Consultant Point: Sie, liebe jobsuchende No-Names, mit aller Macht davon abhalten, auf Online-Vodoo-Talk von Unterscheidung und Differenzierung hereinzufallen und sich als Marke aufzubauen. Ein Beckenbauer reicht. Bauen Sie stattdessen Ihr Selbstmarketing aus. Präsentieren Sie sich sicher und in bester Form. Versuchen Sie bloß nicht, sich als einzigartig zu stilisieren. Jeder ist es schon und jeder ist es zugleich nicht. Sogar ganz ohne Marketing. So grundlegend zwiespältig ist das Leben. Selbst in Berlin.

OK, an die Arbeit: Können Sie die 22 Aussagen eines Cracks in Selbstmarketing mit ja beantworten? Sind Ihnen einige Aufgaben noch unklar? Arbeiten Sie sich durch das Pflichtenheft eines Selbstvermarkters. Es ist absolut nicht schlimm, wenn Sie nicht alle 22 Forderungen erfüllen. Nicht mal Frau Feldbusch schafft das. Typisch Catch 22: Wenn Sie ausnahmslos alle Statements unterschreiben, müssen Sie verrückt sein. Und kein Verrückter würde es hin bekommen, alle Aufgaben zu erfüllen ...

GW


01 - Marktkenntnis

Ich weiß, welche Organisationen für mich in Frage kommen, wie sie am Markt positioniert sind, was sie tun und vertreiben und weshalb sie mich brauchen.



02 - Beitrag

Ich beantworte die Frage Was können Sie für das Geschäft tun? Erläutere klar, auf welche Weise ich zum guten Gelingen einer Unternehmung beitrage. In welcher Funktion und an welchem Platz. Belege stützen meinen Anspruch.



03 - Vorteile

Ich gebe konkret, also anschaulich, und zudem sehr genau an, welche besonderen Vorteile einer Organisation aus meiner Mitarbeit erwachsen.



04 - Argumente

Ich liste alle meine Fähigkeiten und Kenntnisse auf. Ich beziehe sie auf eine Jobfunktion und ich vermittle klar, was man von mir erwarten kann.



05 - Idealbild

Mein Auftreten, mein Outfit, meine Rede, meine Präsentation weichen nicht vom Bild ab, das sich die Welt vom idealtypischen Vertreter meines Berufsstands macht. Meine Selbstaussage ist ein Drei-Wort-Satz: Ich bin + Berufsbezeichnung.



06 - Fokussierung

All mein Bewerberverhalten in der Kommunikation mit einem Jobanbieter richtet sich darauf ihm klar zu machen, welche Ziele er mit mir und dank meiner Zuarbeit leichter, kostengünstiger, schneller, sicherer, besserer erreicht.



07 - Service

Was für mich spricht, fasse ich so in Anschreiben und Lebenslauf zusammen, so dass der Jobanbieter in wenigen Sekunden alles Wesentliche erfassen kann.




08 - Kosten

Ich habe meinen Stundensatz, meinen Monatsverdienst und mein Jahresgehalt im Kopf. Ich weiß, was meine Leistung kostet.



09 - Klarheit

Mein Auftreten, Aussehen und Handeln lässt zu keinem Moment Unklarheit darüber aufkommen, wer ich bin, was ich kann und was ich anstrebe.



10 - Einheitlichkeit

Meine Bewerberpräsentation ist einheitlich. Mein berufliches Ich weicht nicht fundamental von meinem privaten Ich ab.



11 - Empfehlung

Ich handle im Beruf und als Bewerber stets so, dass alle, die mit mir zu tun haben, mich gern Dritten weiterempfehlen können.



12 - Präsenz

In meiner Branche, in meiner Ecke des Jobmarkts mache ich mich sichtbar. Ich kontakte aktiv, nehme teil, bleibe informiert.




13 - Öffentlichkeitsarbeit

Ich gebe in der fachlich interessierten Öffentlichkeit meine Expertise weiter: Ich rede, publiziere, nehme teil, handle.



14 - Verbindung

Ich lasse niemals ganz den Faden abreißen zu den Leuten, mit denen ich ein Stück weit gemeinsam den beruflichen Weg gegangen bin.



15 - Konzentriertheit

Als Jobkandidat und in der Arbeit fokussiere ich mich voll und ganz darauf zu erfassen, was das Problem ist und wozu man mich braucht.



16 - Fragen

Ich verfüge über einen Set an Fragen, die mir ermöglichen, die genauen Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche von Jobanbietern herauszufinden.



17 - Gesamtbild

Ich erkenne nicht nur das wichtigste Ziel des Jobanbieters. Ich sehe auch, wo mein Platz in seiner Mannschaft ist und wie meine Anstrengung zum Geschäftserfolg beiträgt. Ich sehe den Zusammenhang und habe ein Gesamtbild vom Job.



18 - Präsentation

Meine Bewerberpräsentation erfüllt zwei klare Aufgaben. Ich zeichne ein scharf umrissenes Porträt und sorge zugleich dafür, dass es sich mit dem Suchprofil deckt.



19 - Vermittlung

Ich weiß, dass alles davon abhängt, ob ich gut vermitteln kann, wer ich bin und was ich leiste. Deshalb trainiere ich meinen Auftritt und begebe mich in Situationen, in denen ich aktiv eine soziale Rolle spiele.



20 - Zuverlässigkeit

Ich verspreche nur, was ich halten kann. Ich druckse nicht herum. Ich erinnere mich an alle Versprechungen und halte sie.



21 - Entschiedenheit

Ich äußere mich klipp und klar darüber, was ich vom Job und seinem Anbieter erwarte.



22 - Anspruch

Ich gehe nicht nur an jeden Auftrag mit dem Anspruch, ihn so zu erledigen, dass das Ergebnis vorbildhaft ausfällt. Meine Arbeitsumgebung ist für mich eine Lernumgebung. Ich strebe aktiv danach, mich zu verbessern und meine Kompetenz zu erweitern.



Jetzt noch Ihren Namen und Ihre Mailadresse eingeben, auf den Button klicken, und ich kann die Auswertung umgehend (Wochen später) an Sie zurückschicken. Sogar noch erweitert um Winklers Erläuterungen plus einigen konkreten Vorschläge zum besseren Selbstmarketing. Wie finden Sie das? - «Ich finde Ihre Mail, gelinde gesagt, eine Frechheit», mailt mir ein Leser, der eine kostenlose, ausführliche und individuelle Auswertung seines Online-Arbeitsblatts erwartet hatte. O je. Mal wieder über meinen eigenen Claim gestolpert.


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Gerhard Winkler. Ich maile es wieder an Sie zurück. Ihre Daten gebe ich nicht an andere weiter.



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