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Gerhard Winklers
Rat für Jobsuchende



Ein Verlagsmitarbeiter möchte sich morgens lieber vom Fahrrad in den Fluß fallen lassen, als weiter ins Office zu strampeln. Eine Mitarbeiterin könnte immerzu laut Schlammassel schreien, zieht sich stattdessen aber leise in die Kaffeeküche zurück und konspiriert bei Nescafe und Teilchen.

Organisationen sind oft mit sich selbst beschäftigt. So mancher Grund zur Klage verflüchtigt sich bald bei der nächsten Umstrukturierung. Andere Unliebsamkeiten kann man einfach aussitzen. Die inneren Emigranten unter den Kollegen erkennt man daran, dass sie von Zeiten erzählen, in denen alles anders war. Manchmal ist Unzufriedenheit ein ernstes Symptom und Wechsel das einzige Heilmittel.

Berufliche Unzufriedenheit nährt sich aus zwei Quellen: Der Erfahrung, dass es hier nicht schön und der Annahme, dass es anderswo besser ist. Die Zigarrenroller in kubanischen Fabriken leisten sich noch Vorleser, die ihnen während der Arbeit aus der Zeitung vortragen, was in der Welt passiert. Sie, lieber Leser, leben den Fortschritt. Sie informieren sich komfortabel per Mausklick. Und sind dennoch unzufrieden.

Den Grad Ihrer Unzufriedenheit und die Gründe dafür können Sie hier bestimmen. 25 Fragen für Leute, die die Schnauze voll haben:

  1. Sagt man mir klar, was man von mir erwartet?

    ja nein mir sagt man gar nichts


  2. Stellt man mir die notwendigen Arbeitsmittel, die bestmögliche Arbeitsumgebung zur Verfügung?

    ja nein immerhin kann ich hier im Net surfen


  3. Läßt man mich das tun, was ich am besten kann?

    ja nein mein Bestes kriegen die sowieso nicht


  4. Schöpft die Arbeit mein Leistungspotential aus?

    ja nein ich bin eigentlich nur noch müde


  5. Haben sich die Aufgaben in letzter Zeit geändert?

    ja nein In letzter Zeit wird bloß gestritten


  6. Hat die Arbeitsbelastung drastisch zugenommen?

    ja nein mich überrollt gerade ein Zug


  7. Weiß ich noch, warum ich hier arbeite?

    ja nein ich arbeite nicht, ich verarbeite mein Leid


  8. Lasse ich mich auf Kämpfe ein, die ich nicht gewinnen kann?

    ja nein an mir haftet schon Leichengeruch


  9. Kann ich jemandem erklären, welche Bedeutung mein Job hat?

    ja nein noch nicht einmal mir


  10. Freue ich mich auf den nächsten Arbeitstag?

    ja nein ich bleibe morgen zu Hause


  11. Versuche ich, so wenig wie möglich an der Arbeitsstätte zu sein?

    ja nein wer geht schon gern nach Golgatha?


  12. Wird meine gute Arbeit gesehen und gewürdigt?

    ja nein übersehen oder abgewürgt


  13. Werde ich auch als Person respektiert und geschätzt?

    ja nein nur von den anderen Sklaven


  14. Dankt man mir für exzellente Arbeit persönlich? Schriftlich? Vor versammelter Mannschaft?

    ja nein warum bringen Sie mich zum Weinen?


  15. Ermutigt man mich, innovativ und selbständig zu handeln?

    ja nein die letzte Innovation hier war Tippex


  16. Gibt es in der Organisation Bezugspersonen, die mich fördern, motivieren, stützen, schützen? Die mich aufbauen? Von denen ich etwas lernen kann?

    ja nein solche Menschen gibt es nicht


  17. Zahlt man meine guten Leistungen in barer Münze aus?

    ja nein nein, dafür klaue ich aber Büroklammern


  18. Bin ich an Entscheidungsprozessen beteiligt? Hört man auf mich?

    ja nein ich darf zwischen 2 Stammessen wählen


  19. Bin ich in das soziale Miteinander meiner Arbeitsstätte integriert?

    ja nein ja, als der Sündenbock


  20. Behandelt man mich als wertvollen Partner oder als nützlichen Idioten?

    Partner Idiot


  21. Kommt es mir vor, als stehe ich vor einer unüberwindlichen Mauer?

    ja nein ja; sie kommt gerade runter


  22. Kommt es mir vor, als ob sich mein Handlungsspielraum zunehmend verkleinert?

    ja nein ich laufe tapfer weiter wie Kafkas Maus


  23. Harmonisieren meine beruflichen Aufgaben mit meinen Lebenszielen?

    ja nein so wie Schnittlauch mit Bergsteigen


  24. Wenn ich meinen Nachfolger einarbeiten würde

    - auf welche Tätigkeiten sollte er sich nicht einlassen?
    - welche Arbeitsbedingungen darf er nicht akzeptieren?
    - was sollte er umgehend ändern?




  25. Warum ich meinen Rat in (24) nicht selbst befolge:




Auswertung

ROT angeklickt:
1 - 5 mal. Genug amüsiert. Zurück an die Arbeit!
6 - 16 mal. So halten Sie nicht lange durch. Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Boss. Thematisieren Sie Ihre Antworten in (23).
Mehr als 16 mal. Schluss mit leiden. Zeit für den Wechsel.



Drucken Sie diese Trauerarbeit aus oder klicken Sie auf Abschicken und senden Sie das Ergebnis Ihrer Analyse an den Bewerbungshelfer. Ich schicke Ihr Arbeitsblatt als formatierte Mail zurück. Garantie: Ich gebe Ihre Daten nicht an Dritte weiter.

Gerhard Winkler


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