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Bewerbung - Praxisbeispiele


Ich glaube an den vernünftigen Jobanbieter. Ich glaube daran, dass jemand, der Mitarbeiter einstellt, zur Beurteilung überwiegend konkrete Fakten, reale Leistungen und nachweisbare Erfolge heranzieht.



Ich glaube an die soziale Kompetenz meines Ansprechpartners. Er wird Bewerber danach beurteilen, ob sie die Umgangsformen wahren. Ob sie integrationsfähig und kooperationsbereit sind. Ob sie anderen Menschen gegenüber erwachsen, also verbindlich und bestimmt auftreten. Ich glaube daran, dass ein Jobanbieter sein Handeln nicht von seinen Gefühlen oder seiner Befindlichkeit bestimmen lässt.



Ich glaube an die Intelligenz des Stellenanbieters. Ich bin sicher, jeder kluge Empfänger meiner Bewerbung wird es mir danken, dass ich alle, speziell für ihn zusammengestellten Angaben strikt auf das Notwendige reduziere und dass ich meine Präsentation so einfach, schlicht und so benutzerfreundlich wie möglich halte.



Ich glaube daran, dass klare Interessen das Handeln des Jobanbieters bestimmen. Ich glaube an die Erkennbarkeit seiner Absichten und Pläne, aber auch seiner Ängste und Zweifel. Ich glaube daran, dass ein Jobverantwortlicher es würdigt, wenn ich klar ausspreche, in seinem Interesse und zum Nutzen seiner Organisation arbeiten zu wollen.



Ich glaube an die Einzigartigkeit des Jobanbieters. Ich glaube ebenso an die Einzigartigkeit eines jeden Jobs. Darum signalisiere ich, dass ich den Jobanbieter klar wahrnehme und sein Anliegen verstehe. Ich mache ebenso kenntlich, dass ich die Besonderheit des Jobs verstanden habe.



Ich glaube an die Kraft meiner Argumente. Dass ich jederzeit für mich selbst sehr offensiv, bestimmt und mit Nachdruck eintrete, das belegt meine eigene Stärke.



Ich glaube an das Fundament meiner guten Erziehung. Ich glaube an die Verträglichkeit meines Sozialverhaltens. Ich glaube an meine Fähigkeit, mir durch meine Leistung beruflichen Respekt und durch mein Verhalten freundliche Zuwendung zu verschaffen.



Ich glaube an den Ausgleich von Interessen. Ich respektiere auch das Recht der Gegenseite, ihr eigenes Interesse zu verfolgen. Ich glaube daran, dass man als fairer Jobunterhändler auf langfristigen Erfolg und Nutzen für beide Seiten achtet.



Ich glaube an mein Vermögen, mich ständig weiter zu entwickeln, mich dem Jobmarkt anzupassen und Karriere-Gelegenheiten zu nutzen. Ich glaube daran, dass mein Können, meine Erfahrung und mein Potenzial die beste Arbeitsumgebung verdient haben.



Ich glaube an meine Einzigartigkeit. Ich glaube daran, dass ich meine Arbeitsumgebung bereichern kann. Ich glaube, dass ich allen etwas Besonderes geben kann: meinem Arbeitgeber, den Vorgesetzten, Mitarbeitern, Besuchern, Geschäftspartnern und Kunden. Ich handle danach, dass ich auch als Jobsuchender kein Bittsteller, sondern ein Anbieter bin.


Mein eigenes Handeln als Bewerberberater hat einen Grund. Ich bin davon überzeugt, dass der Jobmarkt funktioniert, weil sich alle Beteiligten, so weit ihnen möglich, vernunft- und interessengeleitet verhalten. Persönlich und für seine Organisation mehr zu erreichen, einem Bedarf zu entsprechen, einen Engpass zu meistern, die Zukunft zu sichern - nach meinem Dafürhalten sind das ebenso gerechtfertigte Absichten, wie die Sorge um die eigene Existenz und um das Wohlergehen einer Organisation legitime Beweggründe sind.

Meine zehn Punkte sichern meine Empfehlungen und Handlungsanweisungen ab. Auf ihnen gründet meine Optimierungsarbeit. Für Einsteiger sind die zehn Sätze vielleicht sogar eine echte Offenbarung: Der Jobmarkt funktioniert regelgeleitet. Auf rationale Annahmen gegründete Strategien führen zum Erfolg.

Dabei liegen diese Regeln dem Herz und dem Verstand so nahe. Fallen Sie mir bitte nicht vom Glauben ab. Legen Sie als Jobsuchender allen Ihren Aktivitäten eine feste Zuversicht zugrunde: die Idee von der grundlegenden Verstehensfähigkeit und Berechenbarkeit des Jobmarkts. Vertrauen Sie Ihrer praktischen Vernunft. Betreiben Sie keine Voodo-Jobsuche. Verfallen Sie nicht auf magische Bewerberrituale. Kommen Sie mir vor allem nicht auf tolldreiste Fantasien von Verschwörungen, geheimen Arbeitgeber-Absprachen und der Unterwanderung des Jobmarkts durch die CIA. (Falls Sie ein schlechter Mensch sind, machen Sie doch ein Buch daraus und verkaufen Sie’s an zweitausendeins Idioten.)

Leistungsanbieter entdecken bei Jobanbietern nicht selten Eitelkeit, Machtstreben, unkaufmännisches Denken, planerische Unfähigkeit. Auf den ersten Blick ist es eine gute Strategie, sich Schwächen zunutze zu machen. Auf der anderen Seite verhandelt man sich vielleicht in eine Organisation, in deren Struktur oder Machtverhältnisse persönliche Konflikte und geschäftliches Scheitern bereits angelegt sind. Manche Organisationen sind eher Gesinnungs- als Zweckgemeinschaften. Bleibt Ihnen tatsächlich keine andere Wahl, als auf die Jobchance unter Brüdern zu bauen? Ihre Bewerber-Regel für affirmative Aktionen lautet: Selbstvergessene Mimikry.

Ostrach, September 2003 - Gerhard Winkler


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