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Jobs & Internet
Jobsuche: die besten Unterstützer  ... & meine besten Unterstützer sind die Leser von jova-nova.com …

Arbeitsuchende sind nicht allein. Und wenn sie sich allein gelassen fühlen, dann können sie es ändern.

Bei der Jobsuche ähnelt manches der Suche nach einer verschwundenen Katze. Da konzentriert man sich anfangs auf den nächsten Umkreis. Es folgt das systematische Absuchen eines vielversprechenden Areals. Das Publikmachen der eigenen Suche. Da gilt es Menschen anzusprechen und Kontakt zu Ihnen zu halten. Ob Job oder Katze, die organisiert Suchenden koordinieren bald ganze Suchtrupps. Bindungsstarke Menschen sprechen alle und jeden an und vergrößern den Kreis der Sympathisanten. Einzelgänger spähen ohne Hilfe Dritter über fremde Mauern.

Und natürlich läuft einem die Zeit davon. Wer schon einmal das Verschwinden seiner Katze zu beklagen hatte, der weiß auch, dass der Moment, an dem man massiven metaphysischen Trost braucht, nur einen Herzschlag entfernt ist. Und wer sich als Jobsuchender eine ganze Weile in den Hinterhöfen des Lebens aufgehalten hat, der wird eine bittere Einsicht bestätigen: „Die Leute nehmen einen gar nicht ernst, nicht die Sorgen, nicht die Probleme …“

Einen Job zu finden stellt an jeden Einzelnen besondere Anforderungen an das Recherche- und Kontaktvermögen, an Vermarktungsfähigkeit und Präsentationsgeschick. Kaum einer übersteht das ohne Attacken auf sein innerstes Selbstwertgefühl. Jobsuche ist immer eine Herausforderung an die Fähigkeit, sich einzufädeln - es geht schließlich darum, in eine Organisation aufgenommen zu werden. Es geht um Respekt und Anerkennung. Unterstützer finden ist oft ein Kraftakt; sich helfen lassen kostet oft ebenso Überwindung. Der Geschwindigkeit nach zu beurteilen, mit der eine Crashlandung auf dem Jobmarkt die Helfer mit der amtlichen Miene oder dem geschäftlichem Blick auf den Plan ruft, ist die Pflege und Betreuung bei Arbeitslosigkeit längst selbst eine Industrie geworden.

Ob es allein geht, wie es am besten geht - in einer Leser-Umfrage habe ich nachgefragt, wer Bewerbern bei ihrer Job-Plazierung am besten geholfen hat. Abzusehen war: Der Kreis der Unterstützer lässt sich auf die üblichen Sympathisanten festlegen.

Bewerber allein zu Hause

„Unterstützt hat mich absolut niemand“, antwortet ein selbstbewusster Einzelkämpfer. Ein ähnlich trockenes Fazit: „Man muss sich schon selbst reinhängen.“ Was es zum Bewerben braucht, das erarbeiten sich die meisten allein. Sie betreiben die „übliche Feldarbeit: Webseiten oder Annoncen prüfen, nachforschen, anrufen.“ Ein Leser schwört darauf, sich vorab bei inserierenden Unternehmen nach den konkreten Arbeitsaufgaben und Anforderungen zu erkundigen. Ein Berufseinsteiger nutzte seine ersten Vorstellungsgespräche, um seinerseits die Personaler abzuschöpfen und sich Vermarktungstipps zu holen. Gefährlich wird es, wenn die fehlende soziale Einbettung oder wenn ausbleibende Erfolge einen mit der Zeit in die Vereinzelung treiben. Am Ende steht dann die bittere Erfahrung, dass „jeder heute nur mit sich selbst beschäftigt ist.“

Glauben Sie dem ehemaligen Geschäftsführer einer Einrichtung, die bevorzugt Arbeitslosen Arbeit gab: Beim ersten Takt des Ich-bin-allein-Blues die Sucharbeit abbrechen und ein warmes Plätzchen unter netten Leuten finden. Man geht sonst an sozialer Kälte ein. Die beste Unterstützergruppe bildet sich, wenn sich nicht zynische, nicht vollends resignierte, nicht ständig klagende Jobaktive zusammen tun und sich regelmäßig treffen: Im virtuellen Web-Forum, im Lesesaal der Stadtbibliothek, in einem Arbeitslosen-Treff oder auch privat. Über Web und Wochenblatt findet man Interessierte, die gemeinsam Durchstarten zum Traumjob oder Anders bewerben durcharbeiten wollen. Mag sein, dass jeder einzelne massive Probleme auf dem Jobmarkt hat. Zusammengenommen ist man ein Expertenteam, das sich stützt, einander zuarbeitet und sich wechselseitig aufbaut.

In der Hand von Job-Agenten

Auf ein Heer von Arbeitslosen mit einer Truppenverstärkung der Betreuer zu antworten, für diesen Einfall sollte man die verantwortlichen Politiker eigentlich forcieren, ganz das Feld zu räumen. Im Einzelfall trifft der Agenturbesucher durchaus auf kundige Berater wie die im Münchner Hochschulteam oder wie jene unbekannte „Psychologin, die mir wertvolle Tipps für die Darstellung meiner beiden Lebenslinien gegeben hat.“ Ein anderer Nutzer meiner Site hat leider neben der flächendeckenden Arbeitslosigkeit auch noch ihre lokale Arbeitsagentur zu verkraften: „Meine Berufsberaterin hat mir auch noch die letzte Hoffnung genommen mit dem Satz: Sie stecken in einem Teufelskreis. Sie haben keine Berufserfahrung und bekommen deshalb keine Anstellung, und dadurch werden Sie auch nie Berufserfahrung sammeln können.“

Nicht fertig mit der Jobwelt, aber mit seiner A-Agentur ist auch noch ein anderer Leser: „Selten hatte ich mit hilfloseren Menschen zu tun.“ Anderen vermittelt die staatliche Arbeitslosenbetreuung die denkbar beste Unterstützung: „Ein Coach, der mir während einer Trainingsmaßnahme an die Seite gestellt wurde, hat mir am meisten geholfen. Er hat mit mir einen Plan für die kommenden Bewerbungsaktivitäten geschmiedet. In regelmäßigen Abständen haben wir dann abgeklärt, was ich konkret getan, was ich erreicht hatte und was als nächstes zu tun war …“

Jobberater können nichts dafür, dass Politiker die Marktwirtschaft nicht verstehen und Wähler sie nicht wollen. Im besten Fall erweisen sich die Ansprechpartner der Agentur für Arbeit als marktkundig, Gelegenheiten und Wege aufzeigend, einfühlsam und bestärkend. Geben Sie Ihrem eigenen Berater die Chance, Sie weiter zu bringen. Zeigen Sie ihm gegenüber Ihre Kenntnis der Spielregeln. Bringen Sie Respekt auf. Fordern Sie nicht das Unmögliche. Beweisen Sie zunächst einmal Ihre eigene Kooperationsbereitschaft. Treten Sie gewinnend auf, binden Sie Menschen.

Vorteil durch Bewerbungshelfer

Selbstvermarktung ist 90 Prozent Beharrlichkeit, 9 Prozent Technik und ein Prozent Glück. Wie man es anstellt, kann jeder lernen. Dass ein kluger Bewerber die Expertentipps nicht nur abnickt, sondern im Selbstversuch umsetzt, dass er vor allem Beispiele nicht blind kopiert, das versteht sich von selbst. Was haben Sie auch von einem Anschreiben, das sich schon im Karrierehandbuch, aus dem Sie es stibitzen, wie abgeschrieben liest?

Am Leserfeedback über die besten Unterstützer bei der Jobsuche haben sich auch Trainer und Personaler beteiligt. Einer von ihnen bemerkt: „Wenn ich selbst Bewerbungen zu beurteilen habe, sortiere ich so gut wie alle aus, die sich nicht an die von Ihnen propagierte sachliche Höflichkeit halten oder die dicke Plastikmappen mit PowerPoint-Layouts aus dem PC und geschmacklosen Deckblättern versenden. Das sollte man übrigens auch ohne Lektüre Ihres Buchs und Ihrer Site jova-nova.com wissen.“

Tüchtige Berater geben dem Bewerber sich selbst auf. An sich arbeiten bedeutet, den Karriere-Standort einkreisen, das Potenzial ausloten, sich auf Ziele hin entwerfen, Verfahren zur Vermarktung einüben, das neue Bild von sich fixieren und zu lernen, seine Bewerber-Story nicht mit also zu starten. Wie findet man heraus, ob so ein Trainer für berufliche Fitness auch sein Honorar wert ist? Ein Experte für Selbstvermarktung nimmt sich selbst maximal zurück: Es geht nicht um sein Ego. Er präsentiert sich tadellos: Präsentation ist das halbe Geschäft. Er überzeugt in Text und Rede: Bewerbersignale sind im Kern sprachliche oder zumindest zeichenhafte Botschaften.

Im Kreis seiner Lieben

Wohl dem, der solche Freunde hat: „Meine sind meist gleichaltrig und daher in derselben Ausbildungs- und Bewerbungssituation. Sie kommen aus unterschiedlichsten Bereichen
und kennen einen sehr gut. Positiv der nüchterne, objektive und doch hilfreiche Blick auf Unterlagen. Mit konkreten Jobchancen können meine Freunde noch am wenigsten dienen. Doch sie haben gute Ideen und leisten tapfere Unterstützung.“

Manche freundschaftlichen Anregungen sind in einer spezifischen Bewerbersituation Gold wert: „Die Kritik einer befreundeten Kommilitonin brachte mich dahin, als Kostprobe zusätzlich eine grafische Präsentation meiner Kompetenzen umzusetzen.“

Gut ist dran, wer Deutschlehrer, Präsentationsprofis oder Bildungsbürger zu seinen Freunden zählt: Denen macht das Entwerfen von Unterlagen auch noch Spaß. Von Führungskräften höre ich, dass die mit den beruflichen Schreibnormen und Korrespondenzformen vertrauten und mit Konrad Duden verheirateten Sekretärinnen leider immer seltener werden. Sind Sie mit einer befreundet? Schenken Sie ihr Blumen und legen Sie Ihre Bewerbung zur Prüfung vor!

Die glücklichsten Jobsuchenden sind die mit einem aufmerksamen Partner. „Konkret unterstützt hat mich meine Freundin. Sie hat mir Bewerbungsmappen gekauft, die Anzeigen herausgesucht und zum größten Teil sogar die Bewerbung aufgesetzt.“ Hoffen wir, der Einsender hat unterdessen den Haushalt besorgt. Überhaupt fällt es anscheinend den Frauen eher zu, „alles Schriftliche nach formalen Fehlern zu untersuchen.“

Ein klares Leser-Statement erklärt, wodurch die Ehefrau zur denkbar besten Supporterin wird: „Zum einen durch das eine oder andere Feilen an meinen Entwürfen. Zum anderen dadurch, dass sie an mich glaubt, was mir einfach gut tut.“ Der eigene Partner ist auch die bevorzugte Person, mit der man Firmen analysiert und ihr Angebot diskutiert. Er ist der engste Berater, was das Bewerberporträt angeht und er engagiert sich für einen am meisten: „Mein Ehemann hat für mich den Kontakt zur Marketingabteilung seiner Firma hergestellt und mir einen Auftragsjob verschafft.“

In den oft monatelangen Phasen von Jobsuche und Jobwechsel, im häufigen Wechsel von Hoffnung und Ernüchterung kann man gar nicht genug an Seelenpflege, Trost und Zuspruch bekommen: „Meine Freundin hat mich aber vor allem dann wieder aufgebaut und mich in meinem Vorhaben bestärkt, als ich an meiner Entscheidung zweifelte. Das war mit Abstand das Wichtigste, was sie für mich getan hat.“

Das Gefühl einer existentiellen Sicherheit vermittelt einem am Ende immer noch: „Die Familie. Arbeitsmarkttechnisch natürlich bei 1970, aber moralisch, emotional und auch finanziell ein unschätzbarer Rückhalt.“
Den Chef unterstuetzen - C 2004 jova-nova.com
In weiter Ferne so nahe Bekannte

Wer sich als Arbeitsloser in einer Selbsthilfe-Gruppe engagiert, wer zugleich von Bewerbungsberatern und Tippgebern lernt, wer zudem Freunde, Partner und die Familie aktiviert, der macht es recht, aber der macht noch nicht alles richtig. Die meisten echten Jobgelegenheiten wachsen aus beruflich motivierten Kontakten. Bekannte aus der Branche. Leute, mit denen man einmal aus beruflichem Anlass zu tun hatte. Ehemalige Kollegen, Vorgesetzte, Ausbilder, Kunden und Geschäftspartner.

Behalten Sie es als Angewohnheit, die beruflichen Wege der Leute, mit denen man das selbe Zeitfenster und den selben Fleck Erde teilt, zu verfolgen. Diese Menschen entwickeln sich selbst weiter: „Mit der Prüfung der Unterlagen aus der Sicht der Personalabteilung hat mir mein früherer Gewerkschaftssekretär geholfen, der inzwischen eine Firma für Personalmanagement leitet.“

Egal, wie man es als Jobsuchender anstellt, mit am wichtigsten scheint zu sein, dass man sich nicht in eine Sackgasse verfährt. Alles in allem führen Sie am besten das Steuer bei Ihrer beruflichen Vermarktung selbst und mit ruhiger Hand. Egal, wie nah oder fern einem Helfer stehen: Dass sie einen unterstützen ist ein großartiges Geschenk. Nehmen Sie sich nicht vor, irgendwann später etwas zurück zu geben. Geben Sie gleich zurück - so viel Sie vermögen.

Ostrach, 20.11.2004 - Gerhard Winkler

Und wer unterstützt Sie am Besten? Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com


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