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Bewerbung - Praxisbeispiele

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"Bei vielen Stellenausschreibungen wird Kreativität und Ideenreichtum gefordert. Wenn ich nun eine außergewöhnliche Bewerbung schreibe, z.B. in Form eines Berichts von einem Detektiv oder sonst irgendwie ...?"

"Nicht schon wieder", murmelte Dayton Present schmallippig wie ein schlechtgelaunter Kanzlerkandidat. "Nicht noch eine Kreativbewerbung".

Er schüttelte leicht den mit Glanzfragezeichen beklebten Umschlag. Die trostlosen Teile eines selbstfabrizierten Puzzles fielen auf die transluzente Tastatur.

"Schnickschnack", befand Mr. Present, hob das Keyboard leicht an und ließ die Schnipsel in den Papierkorb rieseln.

Die Praktikantin bückte sich eilfertig, klaubte verstreute Papierteilchen auf und las laut: "als Ihre neue Archiva" - "te ich effizi" - "Aha."

"'Aha' steht da auch?", fragte Mr. Present gelangweilt.

"'Aha' sagte ich", sagte Pamela. "Oha", fuhr sie fort und wies auf das Fenster. Direkt davor schwebte ein roter Ballon, groß wie ein Kindskopf. Daran klebte ein Briefchen.

Mr. Present fingerte nach einer Büroklammer, bog sie auf, richtete sich auf, öffnete das Fenster, angelte nach seiner Beute. Wumm. "Ende eines Versuchsballons", murmelte Dayton Present und überließ Briefchen samt seidenen Faden den freien Lüften.

Es kopfte an der Tür. "Nicht herein!", rief Mr. Present. So schwungvoll wie impertinent stürzte ein livrierter Pizzaboy in das Office, strahlte begeistert die Praktikantin an und knallte zugleich den feuchtwarmen Karton auf Mr. Presents raminholzversteiften Designer-Schreibtisch. "Mahlzeit! Bereits bezahlt! Und tschüß!"

"Das haben wir aber nicht bestellt", rief Pamela. Der Lieferant tat, als ob er nicht hörte und schlüpfte flink durch die Tür.

"Lesen Sie vor", ordnete Mr. Present an. "Was ist? Nun öffnen Sie doch die Box und schauen Sie rein!"

Prompt klappte die Praktikantin die Pizzaschachtel auf. "Aha", sagte sie wieder. "Was diesen Bewerbern alles so einfällt. Ein Flyer. Ich lese vor: 'Nicht auf die Verpackung kommt es an, sondern auf den Inhalt. Kosten Sie doch selbst aus, was alles in mir steckt' ..." Pamela brach ab, legte den Karton auf den Boden und trampelte ihn energisch flach.

"Kreativbewerbungen wollen rühren, amüsieren, überraschen, kalt erwischen", dozierte Mr. Present ungerührt. "An den drögen Konkurrenten vorbeiziehen soll, so die Idee, wer am schrillsten schreit, am buntesten bittet, am frechsten fragt und sich so selbst wie von allen guten Geistern vergessen vermarktet."

"Mir kommt es vor, als ob sich Bewerber damit eher verstellen als vorstellen", mutmaßte Pamela.

"An Vorstellungsvermögen fehlt's den Kreativbewerbern in jeder Hinsicht: Sie wollen nicht einsehen, dass Personaler kaum jemanden auswählen, der genial aus dem Rahmen fällt, sondern genau den, der am besten in ihr Suchraster passt."

"Kreativbewerber tun aber so, als seien sie einzigartig. Dabei sollte doch jeder Jobsucher nach Vergleichbarkeit streben. Nur im Bezug auf die Mitbewerber treten die eigenen Bewerbervorteile hervor und leuchten."

"Klar gedacht!", rief Mr. Present. "Und was soll ein cleverer Bewerber folglich tun?"

Pamela überlegte nicht lang: "Erstens: Recherchieren, was die Firma wirklich will. Zweitens: Präsentieren, was er selber ist und kann. Sofern es weitgehend passt. Und dann noch: Klar wissen und benennen, was beide Seiten davon haben."

"Und warum haben Sie dann meine Frau überredet, dass sie mir Ihre Bewerbung auf Hörcassette in den Walkman schob? Zwei Runden lang musste ich mir Ihr Gequake anhören", erwiderte Mr. Present.

"Meine Präsentation hat doch bloß 5 Minuten gedauert. Der ganze Rest vom Band bestand aus Ihrer Lieblingsmusik."

"Zu Ihrem Glück", rief Mr. Present. "Sonst hätte ich Sie sicher nicht eingestellt."

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15. Januar 2002

© Gerhard Winkler. Hinweis: Meine Site jova-nova.com ist neutral und unabhängig. Damit es so bleibt, bitte ich Sie, jova-nova.com zu fördern. Empfehlen Sie mich weiter. Mailen Sie mir vor allem auch Ihre Anregungen, Kommentare, Erfahrungen. Gemeinsam schlagen wir die Schema-F-Bewerber!

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Nicht so gut

Originelle Verpackung
Bewerbung in Geschenkpapier
Schickes Medium
Bewerbung auf CD-ROM
Ungewöhnliches Format
Bewerbung als Leporello
Opulente Mappen
Bewerbung in Schweinsleder
Nahrhafte Beilagen
Bewerbung mit Bonbon
Hochkunst-Anschreiben

Literarische Form statt Briefstil
Deckblatt mit Anspruch
(Wozu überhaupt Deckblatt?)
Zierschrift
Na ja, auch Times ist grausam
Aufwendige Bewerbungsaktionen
Sie führen keinen Privatkrieg

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